MIAG/BÜHLER Ehemalige Mitarbeiter übergeben Firmenschriften an das NWA

Im Rahmen des „Erzählcafés. Ehemalige Mitarbeiter der MIAG/Bühler berichten“ am 25.6.2025 haben Teilnehmer dem Niedersächsischen Wirtschaftsarchiv Firmenschriften geschenkt.

Im Jahr 2019 hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der MIAG dem Wirtschaftsarchiv 38 von ihm gerettete Kästen mit Glasplattennegativen überlassen. Anhand der Firmenschriften konnten die Glasplattennegative eingeordnet werden. Es handelt sich um die weitgehend vollständige Archiv-Sammlung der Glasplattennegative der Firma MIAG bis Mitte der 1950er Jahre. Bereits das „Taschenbuch des Müllers“ von 1905 der Vorgängerfirmen (Amme, Giesecke und Konegen) der MIAG enthält viele Abbildungen mit Bildnummern, die sich auf den Glasplattennegativen wiederfinden.

Bettina Vogler-Klages

Seeliger-Archiv im NWA

Das Bankhaus Seeliger in Wolfenbüttel übergab seine ältesten Unterlagen im November 2025 dem NWA zur Aufbewahrung. Das Bankhaus ging aus einem Handlungsunternehmen hervor, das mit Garn und Getreide kaufte und verkaufte. Heute handelt es sich um eine der wenigen inhabergeführten Privatbanken, die es in Deutschland noch gibt – und die älteste nach Berenberg, Metzler und der Fürstlich Castell’schen Bank. Das älteste Stück ist ein Inventurbuch von 1794. Der Bestand enthält weitere Geschäftsbücher, Material zur Geschichte der Familie Seeliger, Grafiken und Fotos. Die Unterlagen können nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Unternehmens genutzt werden.

Tagung zur regionalen Wirtschaftsgeschichte

Regionale Wirtschaftsgeschichte im Zeitalter der Globalisierung“ war das Motto einer Tagung, die das NWA am 21. März 2025 gemeinsam mit dem Arbeitskreis 19. und 20. Jahrhundert der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen veranstaltete. Dabei wurden folgende Vorträge gehalten:

Brage Bei der Wieden: Das Niedersächsische Wirtschaftsarchiv & seine Bestände mit Blick in die Magazine, Dominik Dockter: Im Gesamtinteresse der Wirtschaft? Die Geschichte der Industrie- und Handelskammer Hannover 1932-1953, Marie Holtin: „Auf Gedeih und Verderb ist die Bürgerschaft dem Fremdenverkehr verbunden.“ – Der Kurort Bad Pyrmont im Nationalsozialismus, Gerrit Hollatz: Schloss Marienburg aus wirtschaftshistorischer Perspektive, Paul Jacob Moersener: Die moralische Ökonomie des wissenschaftlichen Films – Wirtschaftshistorische Aspekte des internationalen Filmarchivs Encyclopaedia Cinematographica (EC). Gudrun Fiedler fasste Ergebnisse und Fragen abschließend in einem Kommentar zusammen.

Neue Website für das NWA

Das Wirtschaftsarchiv Niedersachsen präsentiert sich mit einem neuen Web-Auftritt. Der Fokus liegt nunmehr auf einer klaren, nutzerfreundlichen Menüführung. Darüber hinaus haben wir Informationen zu unserem besonderen Serviceangebot für Unternehmen ergänzt.

Die IHK Hannover übergibt Unterlagen an das Wirtschaftsarchiv

Die IHK Hannover widmet der Bedeutung der niedersächsischen Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte(n) bereits seit mehreren Jahren besondere Aufmerksamkeit. Mit Veranstaltungen und regelmäßigen Beiträgen in der „Niedersächsischen Wirtschaft“ wird Aufklärungsarbeit geleistet, um bei Unternehmen vorhandene Hemmschwellen im Umgang mit der eigenen Geschichte abzubauen.

Die IHK Hannover geht nun mit gutem Beispiel voran und hat im Zuge des Umzuges im vergangenen Jahr damit begonnen, die eigenen Unterlagen für die Abgabe an das Niedersächsische Wirtschaftsarchiv vorzubereiten. Etliche Jahresbände des regionalen Wirtschaftsmagazins „Niedersächsische Wirtschaft“ sind bereits nach Wolfenbüttel umgesiedelt und befinden sich dort in bester Gesellschaft: Das NWA verwahrt derzeit 935 Regalmeter an Akten, darunter die Bestände von Üstra Verkehrsbetriebe, Salzgitter AG, Porzellanmanufaktur Fürstenberg, Börsen-AG Hannover, Norddeutsche Landesbank, Nordzucker AG und der Unternehmerverbände Niedersachsen.

Die Geschichte des IHK-Magazins „Niedersächsische Wirtschaft“ lässt sich mehr als einhundert Jahre zurückverfolgen. Die erste Ausgabe erschien am 4. Januar 1921. Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab Sommer 1946, erschien die „Niedersächsische Wirtschaft“ als gemeinsame Zeitschrift der Industrie- und Handelskammern des neu entstehenden Bundeslands. Die Jahrgänge ab 1950 wurden nun persönlich von Chefredakteur Klaus Pohlmann an das NWA übergeben.

Weitere Informationen zum IHK-Magazin finden Sie hier: http://nw-ihk.de/

Weshalb Unternehmen ihre eigene Geschichte bewahren sollten

Keine Zukunft ohne Vergangenheit – hinter jedem erfolgreichen Unternehmen verbirgt sich auch eine erfolgreiche Geschichte. Doch oftmals bleibt für die Beschäftigung mit der eigenen Unternehmensgeschichte im Alltagsgeschäft kaum Zeit. Erst im Zuge eines anstehenden Jubiläums beginnen viele Unternehmen mit der Erkundung der eigenen Geschichte – und der hektischen Suche nach Unterlagen.

Auf Spurensuche

Wer sich auf die Suche nach den historischen Spuren niedersächsischer Firmen begibt, stößt mitunter schnell an Grenzen. Nur wenige Unternehmen leisten sich ein eigenes Archiv, wie der Volkswagen-Konzern, wo jährlich Anfragen im fünfstelligen Bereich eingehen. In den meisten Fällen fristen die historischen Unterlagen ein trauriges Dasein in feuchten Kellern, geraten in Vergessenheit oder werden entsorgt. Welche Folgen es hat, wenn historische Dokumente vernichtet werden, anstatt sie an kommunale Archive und somit in Expertenhand zu übergeben, verdeutlichen die Lücken in der niedersächsischen Wirtschaftsgeschichte.

Die eigene Geschichte als Alleinstellungsmerkmal

Die Frage, warum es sich für Unternehmen lohnt, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, beantworten Historiker jedoch längst nicht nur mit wissenschaftlicher Bedeutsamkeit. Seit den 2000er Jahren wird immer wieder auf den Nutzen der Geschichte für die Image- und Öffentlichkeitsarbeit, das sogenannte „History Marketing“, verwiesen. Historische Stoffe haben seit Jahren Hochkonjunktur, wie ein Blick in die Bücherregale, Kinosäle und Streaming-Angebote beweist. Die Vermarktung der eigenen Unternehmensgeschichte bedient allerdings nicht nur den Nostalgie-Effekt, sondern kann auch dazu dienen, Vertrauen, Glaubwürdigkeit, ein hohes Maß an Qualitätsbewusstsein und Alleinstellungsmerkmale zu vermitteln. Wer etliche Jahrzehnte, womöglich gar Jahrhunderte, und zahlreiche Herausforderungen überstanden hat, hebt sich zwangsläufig von der Masse ab.

Für den Leiter des Niedersächsischen Wirtschaftsarchivs, Dr. Brage Bei der Wieden, geht es darum, die Bedeutung der Wirtschaft für unsere Gesellschaft zu dokumentieren: „Wir wollen Erinnerung an unternehmerische Leistungen bewahren und Material für die historische Forschung bereitstellen.“

 

Auszug aus dem Artikel „Das Gedächtnis der Wirtschaft“ aus dem Magazin NOBILIS von Mai 2024, Text: Dr. Vanessa Erstmann